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Schulsanitäter sind nicht mehr wegzudenken

Foto: Gaby Schneider / Zeitungsverlag Waiblingen

„Der erste Schulsanitäter hat im medizinischen Bereich Karriere gemacht“, begrüßt und motiviert Direktor Jürgen Hohloch vom Burg-Gymnasium Schorndorf die rund 130 jungen Leute, die sich an ihren 17 Schulen in ganz Baden-Württemberg als Schulsanitäter engagieren. Bei Unfällen, Übelkeit und Krankheiten kümmern sie sich während der Schulzeit um ihre Mitschüler. Am Burg-Gymnasium gibt es sie seit 2001 und sie seien „an einer modernen Schule nicht mehr wegzudenken“, so der Rektor. Am Wochenende traten beim 25. Schulsanitätsdienst-Turnier die 17 Gruppen gegeneinander an. Sie konnten zeigen, was sie bei ihrer Ausbildung, für die das DRK zuständig ist, gelernt haben. Landrat Dr. Richard Sigel machte sich von den Nachwuchsrettern ein Bild. „Das Rote Kreuz lebt vom Ehrenamt.“ Damit der Sanitäts- und Rettungsdienst im Kreis funktionieren könne, werden dauerhaft neue Helfer benötigt, machte er deutlich. Was die bereits leisten können, das sah er nach Turnierbeginn.

 „Seid fair und zeigt, was ihr könnt“, ruft Johannes Baumann kurz vorm Startschuss noch, er ist Landesleiter des Jugendrotkreuzes. Unterschiedliche Aufgaben, vorwiegend in Erster Hilfe, müssen die Teilnehmer gemeinsam oder als Helfer-Duo bewältigen. Und die Einsätze sind sehr realistisch: Mimen wurden geschminkt, Kopfverletzungen, eine offene Wunde am Knie sowie eine verätzte Hand gilt es zu behandeln. Denn die Organisatoren vom Jugendrotkreuz haben sich typische Szenarien überlegt, unter anderem einen Unfall im Sport- sowie eine Säureverletzung im Chemieunterricht. Nach einer kurzen Instruktion im jeweiligen Klassenzimmer, wo die Übungen durchgespielt werden, müssen sie sofort 100 Prozent geben. 

„Das Blut sorgt für das nötige Adrenalin“

Michael hat beim Versuch, die Mädels in seiner Klasse zu beindrucken, im Sport zum Fallrückzieher angesetzt und dabei den Kopf von Niko getroffen. Der eine ist geschockt und hat eine Verletzung am Knie, der andere liegt bewusstlos und mit blutendem Kopf auf dem Boden. Mit dieser Situation sind die Helfer konfrontiert. „Das Blut sorgt für das nötige Adrenalin“, erläutert die DRK-Jugendreferentin an Rems und Murr, Hannah Parchmann. Je realistischer der Einsatz, umso größer sind die Herausforderung und der Lerneffekt. Zwei Duos müssen sich nun um die beiden Jungs kümmern. Insgesamt rund 20 Schiedsrichter vom Roten Kreuz schauen ihnen dabei über die Schulter, beobachten und bewerten den Einsatz. Sie haben Kriterien: Wie läuft die Hilfelistung ab? Wie die Betreuung der Schüler? Wie gut sind die Jugendlichen fachlich? Wie funktionieren sie als Team? Das alles wird beobachtet und dann werden Punkte verteilt. Die Praxis steht hier klar im Vordergrund.

Und realistisch sind die Fälle. Eine Mimin schreit und hält sich die verätzte Hand. Sie stresst ihre Helfer mit Fragen. Wann kommt der Notarzt, fragt sie ständig? Was passiert mit ihrer Hand? Es brennt doch so. Wird es Narben geben? Da gucken die Schiedsrichter genau hin und registrieren, wie cool die Retter bleiben – und ob sie einen Notruf abgeben. Das wird gerne mal vergessen, wenn man versessen aufs Helfen ist, wissen die Ausbilder. Die meisten Teams meistern die Übung sehr gut. Bewusstlose Patienten, durchgeführt an einer Puppe, werden reanimiert. „Eure Mitschüler sind echt gut bei euch aufgehoben“, sagt eine Ausbilderin und die jungen Leute strahlen. „Als Gruppe seid ihr echt genial!“

Doch auch auf Fehler weisen sie hin, beispielsweise, wenn die Helfer den Verletzten häufiger hätten ansprechen sollten. „Aber der ist doch bewusstlos“, sagt einer. „Aber die nehmen euch trotzdem wahr und es hilft“, antworten die Ausbilder. „Ihr wart extrem effektiv“, ergänzt ein DRKler. Leider hätten sie in der Aufregung das verletzte Bein übersehen, sagt er und zieht das Hosenbein hoch. Das Schienbein ist rot. Das war nicht nur eine Prellung. Aus Fehlern lernt man, trösten sich alle.

Maximilian-Kolbe-Schule aus Rottweil-Hausen gewinnt

Am Nachmittag sind dann alle Gruppen fertig und die Ergebnisse ausgewertet. Gewonnen hat die tolle Gruppe der Maximilian-Kolbe-Schule aus Rottweil-Hausen. Es folgen die Helfer der Leintal-Schule aus Schwaigern und die Schulsanis des Burg-Gymnasiums. Bei diesem Turnier waren sie die besten Helfer. Und sie gehen als Vorbild voran. „Es beginnt mit den einfachen Sachen, dem Trösten und dem Nicht-Weggehen und Wegsehen“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler und lobt, was die jungen Ersthelfer bereits leisten können, bis dann im Ernstfall die Profis vom Rettungsdienst eintreffen. Das sei enorm wertvoll. Und das DRK beginne bereits im Kindergarten damit, Kinder in Erster Hilfe zu unterstützen. Vielleicht macht der eine oder andere ja bald als Helfer Karriere; als Pfleger, Notfallsanitäter oder Arzt. Das Zeug dazu haben diese jungen Leute. Das weiß Direktor Jürgen Hohloch nicht erst nach diesem großen Turnier.