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Als das DRK über die Grenzen ging: DRK Murr erinnert an das Hochwasser 2024 und stärkt die Vorsorge

Zwei Jahre nach den Hochwasser- und Starkregenereignissen im Juni 2024 blickt das DRK Rems-Murr-Kreis auf den größten Einsatz der vergangenen Jahrzehnte zurück, der in seiner Dimension und Komplexität außergewöhnlich war – und investiert zugleich in die Zukunft des Bevölkerungsschutzes. Die Ereignisse wurden durch extremen Dauer- und Starkregen ausgelöst, der Ende Mai und Anfang Juni große Teile des Landkreises traf. Straßen wurden überflutet, Orte waren nicht mehr erreichbar, zahlreiche Menschen in ihren Häusern eingeschlossen.

Der DRK-Kreisverband gibt Einblick in die Ereignisse. „So eine Situation haben wir in der Leitstelle noch nicht erlebt“, sagt DRK-Kreisgeschäfts-führer Sven Knödler. „Die Belastung für die Mitarbeiter war enorm.“ Die Integrierte Leitstelle Rems-Murr reagierte frühzeitig und erhöhte Personal sowie rettungsdienstliche Kapazitäten. Unterstützt durch benachbarte Leitstellen konnten trotz erheblicher Belastung weiterhin reguläre Notfälle wie Herzinfarkte und Unfälle versorgt werden. Mehr als 1550 Notrufe gingen in wenigen Stunden ein – nicht alle kamen durch, obwohl alle Notrufabfrageplätze besetzt waren. Dennoch gelang es, die eingehenden Notrufe mit potenzieller Lebensgefahr nach und nach abzuarbeiten. „In der ILS kommt es eigentlich nicht vor, dass Notrufe in der Warteschleife sind. Das bewegte die Menschen vor Ort und unsere Mitarbeiter“, so Knödler.

„Wir nennen das Chaosphase“, sagt DRK-Kreisbereitschaftsleiter Heiko Fischer. In den ersten Stunden fehlte ein klares Lagebild: Wo sind Menschen eingeschlossen? Wo werden Kräfte gebraucht? Noch am Abend des 2. Juni richtet der Landrat Verwaltungs- und Führungsstäbe ein, Einsatzräume werden definiert und Kräfte gezielt in Stellung gebracht. Ziel: schnellstmöglich Hilfe leisten und ein verlässliches Lagebild schaffen. Gleichzeitig kämpfen Einsatzkräfte mit Stromausfällen, gestörter Kommunikation und unklaren Gefahrenlagen. „Wir wussten: Menschen sind eingeschlossen – und können keine Hilfe holen“, so Knödler. Als „Auge vor Ort“ wird der Einsatzleitwagen Sanitätsdienst/Rettungsdienst eingesetzt, um Informationen zu Straßen, Erdrutschen und Lage vor Ort zu liefern. Zusätzlich werden Einsatzleitwagen und Rettungskräfte zur Rettichkreuzung und nach Miedelsbach beordert, um schnell Hilfe leisten zu können. „So kamen wir irgendwann vor die Lage“, sagt Fischer.

„Ein Rad hat ins andere gegriffen“

In den frühen Morgenstunden wird am 3. Juni eine außergewöhnliche Einsatzlage ausgerufen. Von da an koordiniert der Landkreis alle Kräfte zentral. Trotz aller Schwierigkeiten greift das Zusammenspiel: „Ein Rad hat ins andere gegriffen“, sagt Sven Knödler. Schritt für Schritt gelingt es, das Einsatzgeschehen zu stabilisieren. 
Alle ehrenamtlichen Einsatzformationen des DRK waren nach kurzer Zeit im Einsatz und leisteten gemeinsam mit den hauptamtlichen Kräften hervorragende Arbeit. Insgesamt waren 37 Rettungswagen, zehn Notarzteinsatzfahrzeuge, fünf Krankentransportfahrzeuge sowie 16 Schnelleinsatzgruppen im Einsatz. Die 270 ehrenamtlichen Kräfte leisteten mehr als 4650 Stunden. „Was unsere Kräfte geleistet haben, war außergewöhnlich. Sie sind vielfach über ihre Grenzen hinausgegangen“, betont Knödler. Auch bei der Evakuierung funktionierte die Zusammenarbeit mit Landratsamt, Rathäusern und Blaulicht-Fraktionen. Das DRK evakuierte hilfsbedürftige Menschen und stellte mit den Mobilen Diensten entscheidende Transportkapazitäten bereit. Noch in der Nacht auf den 3. Juni hilft auch Utz Bergmann, Leiter der Sozialarbeit, als er mit anderen Helfern Fahrzeuge der Mobilen Dienste nutzte, um Menschen mit Beeinträchtigung zu evakuieren.
Schnell werden an verschiedenen Orten Notunterkünfte eingerichtet. Das DRK übernimmt die Erstversorgung von Verletzten im Schadensgebiet. Außerdem gilt es, die Verpflegung von mehreren Hundert Einsatzkräften sicherzustellen. An manchen Tagen werden mehr als 2000 Essen ausgegeben. Zudem war der Einsatz der psychosozialen Notfallversorgung essenziell – in der Akutphase aber auch in den Tagen danach – um Betroffene und Einsatzkräfte zu unterstützen.

Die Nachbereitung zeigte Verbesserungsbedarf – insbesondere bei Technik und Kommunikation. Das DRK hat darauf reagiert und gezielt in technische Ausstattung investiert, um künftige Einsatzlagen schneller, effizienter und sicherer zu bewältigen.  Sichtbares Zeichen ist der geplante Neubau des DRK in Waiblingen: Bis 2027 entstehen nahe der Rundsporthalle die neue Integrierte Leitstelle, die Rettungswache sowie die Kreisgeschäftsstelle – ein zentrales Projekt für Bevölkerungsschutz und Notfallversorgung. Rund 40 Millionen Euro investieren DRK, Landkreis und Kostenträger in moderne und krisensichere Strukturen. Ein weiterer Baustein ist das neu geschaffene Resilienz-Zentrum, das sich der Krisenprävention, Ausbildung und Stärkung der Bevölkerung widmet und zahlreiche Vorträge anbietet. Ergänzend wird der Helfer-Pool weiterentwickelt. „Ziel ist es, die hohe Hilfsbereitschaft im Landkreis besser zu bündeln und Engagement niedrigschwellig zugänglich zu machen – auch abseits von Krisen“, sagt Knödler. Neben Einsätzen können sich Bürger auch im Alltag einbringen.

„Das Hochwasser hat uns gezeigt, wie wichtig funktionierende Strukturen, schnelle Entscheidungen und vor allem Zusammenhalt sind“, so Knödler. „Mit dem Resilienz-Zentrum und dem Helfer-Pool setzen wir genau dort an.“ Fazit: „Gemeinsam haben wir diese Herausforderung bewältigt – darauf können wir aufbauen, auch mit Blick auf kommende Krisen.“

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