Als ein Paar am Dienstagabend mit ihren beiden Hunden ihre gewohnte Runde macht, fängt der Jack Russell Terrier auf einmal laut an zu bellen. „Er zog an der Leine und dann fing auch der Große an zu bellen“, sagt der Hundeführer, der nicht namentlich genannt werden möchte. Sie blicken sich aufmerksam um. Die Hunde ziehen sie in Richtung eines parkenden Autos, das auf einer Einfahrt steht. „Da haben wir ein leichtes Stöhnen gehört“, erinnert sich der Mann. In der Dunkelheit nehmen sie Konturen einer Person wahr, die zwischen Auto und Hauswand liegt, lediglich mit einem Nachthemd bekleidet. In der nächsten Viertelstunde passiert einiges. „Ohne die Reaktion der Hunde wären wir wohl einfach vorbeigelaufen“, schildert der Mann später.
Die beiden Kaisersbacher reagieren umgehend. Die ältere Frau ist kaum ansprechbar und sehr stark unterkühlt. Da sie kein Handy dabeihaben, blickt sich der Mann um. Beim Nachbarn brennt Licht. „Ich habe geklingelt und an die Küchenscheibe geklopft“. Der Nachbar reagiert sofort. Die beiden verständigen sich und sofort wird die Notfallrettung alarmiert. „Währenddessen ist meine Frau sofort nach Hause gelaufen und hat Decken geholt“, schildert ihr Mann. Der Hundebesitzer und der Nachbar kümmern sich um die ältere Frau. Die Leitstelle hatte sie telefonisch angewiesen, die Patientin möglichst wenig zu bewegen. Der Kopf wurde leicht erhöht, die Füße vorsichtig positioniert. Die Ehefrau ist schnell wieder da. Sie decken die verunglückte Frau vorsichtig zu und versuchen sie zu wärmen und vor dem weiteren Auskühlen zu schützen. „Sehr schnell kam der Rettungswagen“, erinnert sich der Mann dankbar.
Zustand der Frau ist lebensbedrohlich
Der Disponent der Integrierten Leitstelle Rems-Murr hatte den Zustand der Frau als lebensbedrohlich eingestuft. Daher kommen sowohl Rettungswagen als auch Notarzt. Ein Rettungshubschrauber wird vorsorglich angefordert, kann jedoch unter anderem aufgrund der Wetterlage nicht starten, schildert der DRK-Kreisverband Rems-Murr. „Der Transport der Patientin erfolgte daher bodengebunden unter notärztlicher Begleitung“, schildert Markus Rader, Notfallsanitäter der DRK-Rettungswache Welzheim. „Die Körpertemperatur der Frau lag bei 33 Grad. Ihr Zustand war sehr kritisch.“ Das Paar und die verständigten Nachbarn hätten vorbildlich reagiert.
Sofort kommen medizinische Wärmedecken zum Einsatz, die kontrolliert Wärme abgeben und gezielt zur Behandlung von Unterkühlung eingesetzt werden, berichtet Markus Rader. Sie können Patienten auf bis zu 40 °C Körpertemperatur erwärmen. Der Prozess wird medizinisch überwacht. „Im Rettungswagen musste die Frau narkotisiert und beatmet werden“, sagt Markus Rader. Das dient dazu, Herz und Gehirn zu schützen, die unregelmäßige Atmung zu kontrollieren und eine sichere, überwachte Wiedererwärmung zu ermöglichen, erläutert der DRK- Rettungsdienst. „Beim Erwärmen besteht die Gefahr des sogenannten „Afterdrop“: Dabei fließt kaltes Blut aus Armen und Beinen zurück zum Körperkern und kann das Herz schädigen.“ Umgehend erfolgt der Transport in den Schockraum des Klinikums Winnenden.
Auch ehrenamtliche Helfer vor Ort aus der Nachbarschaft werden parallel zum Rettungsdienst alarmiert, berichtet Markus Rader. „Die Rettungskette lief umfassend und reibungslos. Wäre die Frau unentdeckt geblieben, hätte sie die Situation an diesem Abend möglicherweise nicht überlebt.“ Der Kaisersbacher möchte nicht namentlich genannt werden. „Wenn da ein Mensch liegt und nicht reagiert, dann gibt es nur eine Sache: Helfen!“ Wie er sich gefühlt hat? „In so einer Lage weiß man ganz klar: Du musst helfen, den Krankenwagen rufen, Decken holen, dich kümmern.“
