Das DRK Rems-Murr hat kürzlich 15 Fördermitgliedern und interessierten Gästen eine besondere Führung ermöglicht: Im Funk- und Fernmeldemuseum des DRK-Fellbach erhielten sie spannende Einblicke in die technische Entwicklung des Funkwesens bei den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), zu denen auch das Rote Kreuz zählt – von schweren Röhrengeräten bis zu technischen Highlights aus mehreren Jahrzehnten.
Hans Bühler bedient die alte Fernsprechvermittlung – und plötzlich klingelt ein Telefon. Auch wenn das Exponat einige Jahrzehnte auf dem grünen Metallgehäuse hat, funktioniert die Technik noch einwandfrei. Ein Aha-Effekt für die Besucher. Warum waren die frühen Geräte eigentlich grün? Diese Frage führte direkt in die Geschichte: Noch bevor Hilfsorganisationen den Funk nutzten, war er vor allem bei Polizei und Militär im Einsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg untersagten die Alliierten zunächst den Betrieb von Funkanlagen. Doch schon bald zeigte sich, wie wichtig Kommunikation für Polizei und Rettungskräfte ist. Hersteller wie Telefunken, Siemens oder Lorenz/SEL entwickelten entsprechende Technik, um Einsatzkräfte zu vernetzen und schneller Hilfe dorthin zu alarmieren, wo sie gebraucht wurden.
„Abends unbedingt das Funkgerät ausschalten!"
Die ersten Geräte arbeiteten mit Röhren – leistungsfähig, aber wahre Stromfresser. Wer funken wollte, musste stets die Stromversorgung im Blick behalten. In Fahrzeugen mit 6-Volt-Batterien bedeutete das: „Abends unbedingt das Funkgerät ausschalten, sonst sprang das Auto am nächsten Morgen nicht mehr an“, wie Hans Bühler den Zuhörern berichtet. Manche Fahrzeuge erhielten sogar eine zweite Lichtmaschine. Im Museum sind mehr als 700 Exponate zu sehen – ihr damaliger Anschaffungswert dürfte mitunter sehr hoch gewesen sein.
Ende der 1950er-Jahren wurde der Sprechfunk beim Roten Kreuz systematisch aufgebaut. Die Krankenwagen wurden nach und nach mit Funkgeräten ausgestattet. Dies war mit einem erheblichen Kostenaufwand verbunden. Eine Funkanlage kostete damals etwa so viel wie ein VW-Käfer. Die zur Verfügung stehenden Funkfrequenzen waren knapp. Dem Roten Kreuz standen anfangs bundesweit nur zwei Funkkanäle zur Verfügung
Der technische Fortschritt brachte die Transistoren-Technik. Die Geräte wurden kleiner, effizienter und stromsparender. Tornister-Sprechfunkgeräte in der Übergangszeit wogen dennoch bis zu 20 Kilogramm. Auch Autotelefone sind im Funkmuseum vorhanden. Anfang der 1960er-Jahre nahm es noch viel Platz im Fahrzeug ein, kostete rund 15.000 D-Mark und es fielen monatlichen Grundgebühren von bis zu 260 DM an. Im sogenannten A-Netz konnten maximal 10.000 Teilnehmer kommunizieren – vermittelt wurde noch von Hand über das Fernamt. Die Waldbrandkatastrophe in Niedersachsen in den 1970er-Jahren zeigte jedoch Schwächen in der Einheitlichkeit der Funkgeräte auf. In der Folge wurden die Geräte bundesweit normiert. Mit dem Sprechfunkgerät FuG 7b – es diente zur drahtlosen Sprachkommunikation zwischen mobilen Fahrzeugen und zentralen Leitstellen – entstand später ein bundesweit einheitliches Funknetz. Von Garmisch-Partenkirchen bis Flensburg konnten man mit diesen Geräten durch einen Kanalwechsel am Funkgerät Dienststellen erreichen – ein Meilenstein für die Sicherheit.
„Wir haben fast alles – es gibt kaum etwas, das wir nicht zeigen"
Werner Baller demonstriert auch, wie man mit Peilgeräten Störungen auf dem Funkkanal ermitteln oder dem „Schwarzfunk“ auf die Schliche kommen konnte. Das Museum dokumentiert die technischen Besonderheiten wie Funkfernschreiber, Peilempfänger, Schreibtelefone für Gehörlose oder der beim DRK verwendeten Kurzwellenfunkanlagen für Auslandseinsätze der DRK-Hilfszugsabteilungen um bei Ausfall des örtlichen Telefonnetzes Verbindung mit dem DRK-Generalsekretariates halten zu können. Viele der Exponate wurden von uns restauriert und sind noch betriebsbereit. „Wir haben fast alles – es gibt kaum etwas, das wir nicht zeigen können“, erklärt Werner Baller.
Heute ist der Digitalfunk Standard. Dennoch wurde bei der Führung auch der analoge Funk gewürdigt. Gerade bei Großschadenslagen – etwa im Ahrtal – habe sich gezeigt, wie wertvoll es sein kann, wenn Fahrzeuge zusätzlich noch über analoge Technik verfügen und eigenständig Funkstationen aufgebaut werden können. „Das war bei uns unter anderem die Aufgabe des DRK-Fernmeldezugs, später Fachgruppe Information und uns Kommunikation (IuK), den das DRK-Fellbach in den 1960er Jahren aufgebaut und bis vor kurzem betrieben hat. Dessen langjähriger Leiter Manfred Jung bringt heute sein Wissen im Funkmuseum ein“, sagt Werner Baller.
Die Entwicklung der Kommunikationstechnik spiegelt zugleich die organisatorische Entwicklung wider: Waren Feuerwehr- und Rettungsleitstellen früher getrennt, arbeiten sie heute als Integrierten Leitstellen mit einheitlicher Technik und gemeinsamem Personal eng zusammen. Die Führung machte deutlich: Funkgeschichte ist nicht nur Technikgeschichte – sie ist ein Stück Sicherheits- und Zeitgeschichte, das bis heute nachwirkt.
Informationen finden Interessierte auf www.drk-fellbach.de.
