Ein funktionierender Bevölkerungsschutz beginnt im eigenen Zuhause – und im eigenen Denken. Genau hier setzte der Vortrag „Persönliche Notfallvorsorge – richtiges Handeln in Notlagen“ des Resilienz-Zentrums des DRK Rems-Murr an, der in Waiblingen auf außergewöhnlich großes Interesse stieß.
Auslöser war unter anderem der großflächige Stromausfall in Berlin, der zeigte: Auch in Deutschland sind mehrstündige Stromausfälle realistische Szenarien. Während Blaulichtorganisationen in akuten Schadenslagen unverzichtbar sind – wie zuletzt beim Hochwasser 2024 im Rems-Murr-Kreis – ist es sinnvoll, wenn auch private Haushalte vorbereitet sind. Statt eine klassische Checkliste vorzustellen, regte DRK-Kursleiterin Beate Wichtler die Teilnehmer dazu an, sich vorzustellen, was passieren würde, wenn in diesem Moment der Strom ausfiele und kurzfristig nicht wieder verfügbar wäre. Unsicherheit würde sich breit machen. Kerzen würden gesucht, Vorräte geprüft, Angehörige kontaktiert und Informationen eingeholt – sofern das noch möglich wäre. „Wir dürfen die mentale Vorbereitung nicht vergessen und sollten Notlagen nicht zu kompliziert denken“, betonte Beate Wichtler zu Beginn. Ziel sei es, Menschen zu befähigen, in solchen Situationen ruhig und handlungsfähig zu bleiben.
Ziel: Handlungsfähig in Notlagen
Dies ist eine der zentralen Aufgaben des 2025 gegründeten Resilienz-Zentrums des DRK Rems-Murr. „Wir wollen die Menschen frühzeitig für wichtige Themen sensibilisieren und sie damit auch in möglichen Notlagen handlungsfähig machen – ohne dabei Ängste zu schüren“, so Wichtler. Nun ging sie auf Fragen ein und gab alltagstaugliche Vorsorgetipps.
„Wasser ist in einer Notlage eines der wichtigsten Güter – zum Trinken und für die Hygiene.“ Empfohlen wird eine Bevorratung von rund 20 Litern Trinkwasser pro Person, ausreichend für etwa zehn Tage. Zusätzlich riet sie, bei Eintritt eines Stromausfalls möglichst schnell Wasser in vorhandene Behälter – bis hin zur Badewanne – abzufüllen, da Pumpensysteme ohne Strom nicht dauerhaft funktionieren, Wasser für die häusliche Hygiene aber wichtig sei. Unter Umständen könnten auch Tabletten zur Trinkwasseraufbereitung sinnvoll sein.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema Wärme, da die meisten Heizsysteme stromabhängig sind. Warme Kleidung, Decken oder Schlafsäcke sowie der gemeinsame Aufenthalt in einem Raum seien einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen. Bei alternativen Wärmequellen wurde ausdrücklich auf Sicherheitsaspekte, insbesondere bei offenen Flammen, hingewiesen.
Lebensmittelvorsorge
Auch die Lebensmittelvorsorge spielte eine wichtige Rolle. Empfohlen wurden Konserven sowie Knäckebrot oder Dosenbrot. „Sie sind lange haltbar, sofort verfügbar und benötigen keine Kühlung“, so Wichtler. Zudem ließen sich diese Lebensmittel auch kalt verzehren. „In einer Notlage geht es nicht um Komfort. Wir möchten den Menschen vermitteln, dass sie mit einfachen Mitteln gut zurechtkommen können.“ Vorsorge bedeute dabei keine übermäßigen Hamsterkäufe, sondern eine nachhaltige Integration in den Alltag.
Für den Fall eines Stromausfalls wurde empfohlen, Lichtquellen zentral und gut auffindbar bereitzuhalten – etwa Taschenlampen, Kerzen oder Kurbel- bzw. Solarlampen. Besonders praktisch seien Kurbelradios mit integrierter Taschenlampe, da sie Licht, Information und Kommunikation vereinen. Wenn überhaupt Neuanschaffungen sinnvoll seien, dann ein solches Kurbelradio – nicht jedoch ein Notstromaggregat. Auch eine (Solar-)Powerbank für das Smartphone als Kommunikationsmittel und Lichtquelle könne hilfreich sein. Kerzen und Streichhölzer seien dabei nicht nur praktisch, sondern auch psychologisch wertvoll.
Vorsorge bedeutet nicht Alarmismus
Zur Information im Ernstfall empfiehlt das DRK die NINA-Warn-App. Gleichzeitig wurde appelliert, bei Stromausfällen oder -schwankungen bewusst mit dem Mobiltelefon umzugehen, um die Netze nicht zusätzlich zu belasten. Zudem könne ein angemessener Bargeldbetrag zu Hause helfen, handlungsfähig zu bleiben, da Geldautomaten, Kartenzahlung und Kassensysteme bei Stromausfällen häufig nicht funktionieren. Ebenso empfiehlt das DRK, wichtige persönliche Dokumente wie Ausweise, Versicherungspapiere, Gesundheitsunterlagen oder Vollmachten an einer zentralen und schnell zugänglichen Stelle aufzubewahren. Im Ernstfall spare dies wertvolle Zeit.
Neben der materiellen Vorsorge sprach das DRK auch soziale Aspekte an. Nachbarschaftshilfe, lokale Netzwerke und gegenseitige Unterstützung seien in Krisensituationen besonders wertvoll. „Eine gute Vorbereitung kann helfen, Überforderung und Chaosphasen deutlich zu reduzieren“, lautete das Fazit des Abends. Vorsorge bedeute dabei nicht Alarmismus, sondern Selbstvertrauen und gesunden Menschenverstand.
Info:
Das Resilienz-Zentrum des DRK Rems-Murr bietet in Kooperation mit weiteren Partnern jeden Monat wichtige Vorträge und Informations-Abende zu verschiedenen Themen an. Am 19. Januar findet der Vortrag „Stressbewältigung in herausfordernden Lebenssituationen“ in Schorndorf statt. Das besondere hier: Zwei Ausbilderinnen der Notfallnachsorge, die in akuten Krisensituationen Menschen helfen, geben wertvolle Tipps für den Alltag. Sie zeigen, wie Menschen in ihrem Alltag Belastungen erkennen können und mit welchen Maßnahmen die eigene Selbstfürsorge gestärkt werden kann. Beginn um 18 Uhr im DRK-Ortsverein Schorndorf, Lortzingstraße 48.
Weitere Informationen und Anmeldungen auf: www.resilienzzentrum-drk-rems-murr.de.
Um das Thema „Persönliche Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notlagen“ geht es wieder am 23. Februar, 23. März, und 13. April.
